Bei Fragen!

Bei allfälligen Fragen, stehen wir gerne zur Verfügung!

richtig z.B.:

Falls Sie noch Fragen habenstehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Grund genug, sich über Beistriche Gedanken zu machen:

Unter § 71 der “Regeln entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung” (Fassung von 2006) heißt es: “Gleichrangige (nebengeordnete) Teilsätze, Wortgruppen oder Wörter grenzt man mit Komma voneinander ab.”

Dem Beistrich geht es wie dem Genitiv, er wird ungefähr genauso oft falsch eingesetzt wie irrtümlich auf ihn verzichtet wird. Die Regel, Beistriche vor oder nach Nebensätzen zu setzen (§ 74), wird in unserem Beispiel dahingehend übererfüllt, dass bestimmte Bestandteile eines Satzes mit einem Beistrich abgegrenzt werden, die zwar als Nebensatz gedacht, aber nicht so hingeschrieben sind. Wären sie es, stünde da stattdessen:

Falls Sie noch Fragen haben, stehen wir gerne zur Verfügung.

Diesen Satz kann man sich sehr gut als abschließende Einladung an Kunden oder Ratsuchende nach einem persönlichen Gespräch vorstellen. Er würde auch so oder ähnlich fallen, nicht aber in der unpersönlichen substantivierten Form “Bei allfälligen Fragen…”. Diese adverbiale Konstruktion drückt einen Umstand aus: “bei (unnötig: allfälligen) Fragen”, was grammatikalisch gleichwertig ist mit z.B. “Am Donnerstag”, “Über unsere Hotline” etc. Die Verkürzung ist natürlich legitim, aber vor allem ist sie nicht auf das Sprechen, sondern auf das Schreiben zugeschnitten. Und nun eben kein Nebensatz mehr, und deshalb ist das Komma überflüssig:

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Doch das ist nicht das einzige Problem dieser Formulierung. Die Präposition “bei”, die eine räumliche Relation ausdrückt, muss diese Funktion hier auf eine abstrakte Situation bloßer Anwesenheit übertragen, die entsprechend als “Nähe” zu interpretieren ist, und ersetzt damit typischerweise wieder einen Nebensatz: “Während etwas da ist, …”.

Bei Schmerzen nehmen Sie dieses Schmerzmittel ein.
Bei dichtem Nebel verschwanden sie aus der Stadt.

dienen als Kurzformen für:

Wenn Schmerzen auftreten, nehmen Sie dieses Schmerzmittel ein.
Als dichter Nebel herrschte, verschwanden sie aus der Stadt.

In diesem Sinn wird “bei” im ursprünglichen Beispiel auf die Möglichkeit angewendet, dass jemand nach Empfang einer Mitteilung noch weiteren Informationsbedarf hat, daraus eine Frage formt und diese auch stellt. Das führt auf eine sehr abstrakt zusammenfassende Ebene, auf welcher die Sprache alle Details verliert, die uns sonst helfen, eine Mitteilung zu “spüren” oder zu “sehen”. Da das Beispiel einem Brief entnommen ist — um genau zu sein, einer E-Mail, die aber alle Merkmale einer geschäftlich-organisatorischen Mitteilung hat — , ist es mit Sicherheit kein stilistischer Fehler, der mündlichen, längeren Form den Vorzug zu geben, die eine persönliche Anrede enthält.