Zu kompliziert genug?

Grundsätzlich sei das Thema zu kompliziert, damit es jeder verstehen könne, sagte Schrems bei einem Pressegespräch am Dienstag.

Richtig ist z.B.:

Grundsätzlich sei das Thema zu kompliziert,  als dass es jeder verstehen könnte, sagte Schrems…

oder:

Grundsätzlich sei das Thema zu kompliziert, um für jeden verständlich zu sein, 

Manche Autoren glauben tatsächlich, dass sie ein Thema nur möglichst kompliziert darstellen müssten, damit es jeder versteht. Letztlich scheitern sie regelmäßig mit diesem Konzept, merken es aber nicht, weil Ihnen verschwiegen wird, dass man ihre Texte nicht versteht. Wie bei des Kaisers neuen Kleidern könnte man ja diejenigen, die das zugeben, für dumm halten.

Dies nur als Anmerkung am Rande. Das Problem liegt in der Verwendung von “damit”. Ein paar Beispiele:

  • Damit du dich nicht benachteiligt fühlst, teile ich mit dir den Gewinn.
  • Ich lasse große Radiatoren einbauen, damit meine Tochter nicht friert.
  • Damit ihn auch sein Großonkel verstehen konnte, redete er mit ihm besonders laut und deutlich.

Wie bei “um zu” und “als dass” ist es ein Unterschied, ob zwischen Haupt- und Nebensatz das Subjekt wechselt oder nicht. Damit wird nur bei zwei verschiedenen Subjekten angewandt (du — ich, ich — meine Tochter, sein Großonkel — er). Bleibt das Subjekt gleich, verwendet man um:

  • Ich teile meinen Gewinn mit dir, um dich nicht zu benachteiligen.
  • Um meiner Tochter die kalten Tage angenehm zu machen, lasse ich große Heizkörper einbauen.
  • Er redete mit seinem Großonkel besonders laut, um von ihm verstanden zu werden.

Diese erste Voraussetzung wäre an sich gegeben, denn das Thema und jeder sind zwei verschiedene Subjekte. Aber vielleicht ist Ihnen an den Beispielen ein weiteres Kriterium aufgefallen: Es geht immer um eine Handlung, nie um einen Zustand. Ich tue das eine, damit das andere eintritt; aber ich kann nicht etwas sein, damit etwas eintritt. Das Gegenbeispiel

  • Ich war ganz still, damit sie sich beruhigen konnte

ist keines, weil “still sein” auch eine bewusste Handlung beschreibt.

Wir kommen damit aber etwas vom Thema ab und haben ein wichtiges Element noch nicht beleuchtet: das “zu”. Das Thema ist nicht einfach nur kompliziert, es ist zu kompliziert. Man erwartet danach die Information, welche Konsequenzen dieser Mangel hat. Hier gilt dieselbe Zwei-Subjekte-Regel wie bei “damit”, doch es wird durch “als dass” ersetzt:

  • Er redete zu leise und undeutlich, als dass ihn sein Großonkel hätte verstehen können.
  • Ich habe die Heizung zu schwach ausgelegt, als dass meine Tochter sich im Winter hier aufhalten könnte.

oder:

  • Er redete zu leise, um sich mit seinem Großonkel verständigen zu können.
  • Meine Heizung ist zu schwach, um für meine Tochter akzeptabel zu sein.

 

Siehe auch: Umso, zu, mehr, als dass