Karl Marx: Kommunistisches Manifest, 1848

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.

Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848. Online: Projekt Gutenberg

Man mag diesen Textteil und seine Mittel der Darstellung nicht besonders differenziert oder, wer das will, “politisch korrekt” finden, diese Einschätzungen sind offensichtlich zeitabhängig und wandelbar. Inhaltlich erstaunt, wenn man einige Begriffe neu zuordnet, die Aktualität. Doch vor allem — wer wollte leugnen, dass diese Sprache uns heute noch genauso in ihren Bann zieht? Reißen, barbarisch, schwere Artillerie, in den Grund schießen, hartnäckig, Hass, zwingen, zugrunde gehen: Anschauliche Metaphern und Begriffe verdichten sich zu einem dynamischen Bild von Krieg und Gewaltanwendung, das unmissverständlich konnotiert wird mit Marx’ und Engels’ politischem Begriff der Bourgeoisie. In Einheit damit steht die Vehemenz, mit der sie vorgebracht werden. Lange Sätze (zwischen 20 und 30 Wörter pro Satz) wirken als den Lesevorgang disziplinierende Formen, die selber unerbittlich durchmarschieren wie militärische Verbände. Die biblisch anmutende Rhetorik von Karl Marx, dem Atheisten, kulminiert in einem Bibelzitat, um die Anmaßung “der Bourgeoisie” gegenüber “der Welt” zu brandmarken.