Land der Semifinalisten

Außerdem verpasste er als erster Österreicher seit Stefan Koubek 2001 den Sprung ins Semifinale.

Richtig ist (z.B.):

Außerdem verpasste er es, als erster Österreicher seit Stefan Koubek, dem das 2001 gelang, ins Semifinale zu kommen.

Das Wunderbare an der Sprache ist, dass wir verstehen, was der Beispielsatz meint, obwohl er genau das Gegenteil davon aussagt. Er sagt nämlich:

Dieser Tennisspieler ist der erste Österreicher seit Stefan Koubek, der nicht in das Semifinale gekommen ist. Alle anderen österreichischen Teilnehmern ist das Jahr für Jahr gelungen.

Das Urteil erster Instanz unserer Wahrnehmung, das sich ganz darauf beruft, was hier geschrieben steht, wird von der nächsten Instanz aufgehoben, die nach dem Sinn und der Wahrscheinlichkeit des Gesagten fragt. Dieser Mechanismus wird uns meist gar nicht bewusst und funktioniert ausgezeichnet, wenn wir im Prinzip alle Parameter, die im Spiel sind, kennen: in diesem Fall geht es um Tennis (Kontext und Vorwissen), um ein Tournier, das jährlich stattfindet (Vorwissen), es gibt nicht so viele österreichische Tennisspieler, die es regelmäßig in ein Semifinale schaffen (Vorwissen), dass man einen hervorheben müsste, dem das nicht gelungen ist (Schlussfolgerung). Auf dieser Basis lösen wir die verfügbaren Informationspartikel aus ihrem widersprüchlichen Zusammenhang und ordnen sie neu zu einer sinnvollen Aussage.

Was aber, wenn wir die Parameter nicht kennen und uns der Kontext zu wenig Informationen gibt? Dann wird Österreich zu einem Land der Semifinalisten. Es genügt schon, nichts über das österreichische Tennis und über Stefan Koubek zu wissen, um den Satz genauso zu nehmen, wie er ist. Gerne wird das fehlende Wissen auch durch Hörensagen, schlecht begründete Annahmen oder durch Vorurteile ersetzt. Als Sprechende können wir nur manchmal sicher sein, als Schreibende nie, dass diejenigen, die uns hören oder unseren Text lesen, ihn bereitwillig für uns korrigieren werden, wenn wir etwas anderes sagen, als wir sagen wollten.