Dem Buch nicht unähnliche Leser

Einem Thriller nicht unähnlich weiß der Leser am Anfang einer Geschichte nicht, wie sie ausgehen wird.

Richtig ist z.B.:

Wie bei einem Thriller weiß der Leser am Anfang der Geschichte nicht, wie sie ausgehen wird.

oder:

Einem Thriller nicht unähnlich, sind die Geschichten so geschrieben, dass der Leser am Anfang nicht weiß, wie sie ausgehen werden.

Wenn ein Thriller dem Leser nicht unähnlich ist, weiß auch der Thriller nicht, wie die Geschichte ausgehen wird. Der Autor ist in eine beliebte Falle gegangen: Als Apposition bezieht sich der “nicht unähnliche Thriller” direkt auf das Subjekt, den Leser. Wir dürfen annehmen, dass dieser Subjektbezug irrtümlich passiert ist und der Autor etwas anderes sagen wollte. Was aber dann? Das Zitat allein gibt das Geheimnis nicht preis. Es geht um Fälle von Mord und versuchtem Mord aus der Praxis eines Gerichtspsychiaters, die dieser publiziert hat. Der Buchautor stellt dabei die Taten so dar, dass der Leserschaft kein Wissensvorsprung darüber gewährt wird, wie sie jeweils verlaufen, und der Rezensent verglich diese Darstellungsweise mit der Art, wie Thriller geschrieben sind. Lösung Nr.1 beseitigt zugleich das hässliche “nicht unähnlich”. Lösung 2 ändert den größeren Teil des Satzes.

Ein weiteres Beispiel:
“Eingeschüchtert durch die Drohung soll der Angeklagte drei Euro erbeutet haben.”
richtig: Mit dieser Drohung soll der Angeklagte vom eingeschüchterten Opfer drei Euro erbeutet haben.

Wieder ein falscher adverbialer Subjektbezug, denn natürlich ist nicht einzusehen, wer denn den Angeklagten so eingeschüchtert haben sollte, dass dieser sich gezwungen sah, drei Euro zu erbeuten. Da wesentlich wahrscheinlicher ist, dass einem eingeschüchterten Opfer ein solcher Betrag zu entlocken ist, korrigieren wir den Satz dementsprechend.

Siehe auch: “Brutale Handschellen